
Wer das Grand Chapiteau in Neu Marx betritt, fühlt sich sofort wie in einer anderen Welt: Der monumentale Manegenbau für die neue Show „Kurios“ zieht alle Blicke auf sich, wie eine Mischung aus Wunderkammer und Experimentierlabor mutet das Bühnenbild (Stéphane Roy) an. Für zweieinhalb Stunden gilt es dann, in ein Spektakel der Spitzenklasse einzutauchen. Denn einmal mehr zeigt der Cirque du Soleil mit „Kurios“ (Autor und Regisseur: Michel Laprise / Creativ Director: Chantal Tremblay), was Zirkuskunst auf höchstem Niveau zustande bringen kann. Herzklopfen- und Gänsehaut-Momente ziehen sich durch die Show, was keinesfalls ausschließlich den brillanten Artistik-Darbietungen geschuldet ist. Auch die humoristischen Einlagen haben theatralen Charakter und versetzen das Publikum in Staunen.


Die siebenköpfige Band unter der Leitung von Nathan Spencer liefert eine Show für sich, Sängerin Sophie Guay steht zeitweilig auf einem Podest, mengt sich aber auch in das trubelige Geschehen in der Manege zwischen Dampfmaschinen und Zahnrädern ein. Die Songs (Kompositionen: Bob & Bill, Raphaël Beau) reißen mit und verleihen den Darbietungen ihre eigene Dynamik. „Kurios“ erzählt die fantastische Geschichte eines Forschers, der inmitten seines Kuriositätenkabinetts Besuch von geheimnisvollen Charakteren erhält und mit ihnen und seinen mechanischen Marionetten in eine wundersame Welt samt ihren grenzenlosen Möglichkeiten eintaucht. Sehr aufwendig und farbenprächtig präsentieren sich die Kostüme von Philippe Guillotel, mit denen die einzelnen Charaktere und Artistinnen und Artisten ausgestattet werden. Das Ensemble rund um den Forscher (David Garcia), Mr. Microcosmos (Mathieu Hubener), Nico the Accordion Man (Joe Roberts), Klara the Telegraph of the Invisible (Kazuha Ikeda) und Cosmolito (Miguelito Esparza) trägt die Handlung des Zirkusstücks, das Forschergeist und Aufbruchsstimmung auf poetisch-fantasievolle Art versinnbildlicht, in das die einzelnen Acts eingebettet sind.
Die artistischen Kunststücke sorgen für Nervenkitzel und Erstaunen: das Duo Ekaterina Evdokimova und Volodymyr Klavdich auf der Russischen Wiege in luftiger Höhe, Anne Weissbecker auf dem Aerial Bike, ein Damen-Trio mit größter Expertise in Sachen Kontorsionskunst, James Gonzalez mit einem schier unglaublichen Balance-Akt auf dem Rola Bola, ein siebenköpfiges Ensemble auf dem Acro Net (ein von Hand gemachtes Spezialnetz), das Duo Dárian Cobas und Ilya Salmov an den Strapaten, das sich unter dem Grand Chapiteau durch die Luft schwingt, sowie die Banquine-Truppe aus 15 Akrobatinnen und Akrobaten, die meterhohe Menschenpyramiden vollbringen. Die Handbalance-Darbietung von Arsenii Khrapeichuk sorgt auch noch für einen zusätzlichen Wow-Effekt direkt unter dem Zirkuszelt. Grandios anzusehen sind auch der Jonglage-Act von Jose Vazquez und die Jo-Jo-Performance von Chih-min Tuan. Zauberhaft mutet das Hand- und Fingertheaterstück (Joe Roberts) mit großartigen Lichteffekten an, und für entzückte Gesichter sorgt der „Unsichtbare Zirkus“ von Facundo Giminez.
Der Cirque du Soleil sorgt mit „Kurios“ und 50 Artistinnen und Artisten aus 21 Ländern einmal mehr für einen erstklassigen Augen- und Ohrenschmaus, einigermaßen überwältigend wirkt das bunte Treiben in der Manege – fast weiß man nicht, wohin man zuerst seinen Blick richten soll. Das Gesamtkunstwerk aus Artistik, Theater, Musik, Kostümen und Bühnenbild samt Requisiten wirkt wie aus einem Guss. Höchstleistungen vollbringt auch das Team der Bühnentechnik, wenn im wahrsten Sinn des Wortes ein Rädchen ins andere greift.
Fazit: „Kurios“ ist eine höchst gelungene Komposition aus perfekter Körperbeherrschung, poetischen Bildern, mitreißenden Klängen in einer bildgewaltigen Kulisse. Unbedingt sehenswert!
Cirque du Soleil mit „Kurios – Kuriositätenkabinett“: Zu sehen bis 11. Mai 2025 im Grand Chapiteau auf dem Gelände bei der Hermine-Jursa-Gasse in Neu Marx in 1030 Wien.
Weitere Informationen und Tickets: www.cirquedusoleil.com/kurios
Die erwähnten Mitwirkenden repräsentieren die Premierenbesetzung.
